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Villa Haar in WeimarMediterrane Atmosphäre
„Tages Arbeit, Abends Gäste! Saure Wochen, frohe Feste! Sei dein künftig Zauberwort.“
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), aus „Der Schatzgräber“ (1797)
Den meisten Weimarern ist die „Villa Haar“, am Rande des Ilmparks unweit von Goethes Gartenhaus gelegen, „nur“ als ehemaliges Kinderheim bekannt. Doch durch den Neubau der sogenannten „Villa Felicitas“ auf dem benachbarten eigenen Grundstück, die ideal auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zugeschnitten wurde, entstand 1999 die Idee, das herrschaftliche und schicksalhafte Haus mit der etwa fünf Hektar großen Parkanlage als exklusiven Veranstaltungsort in der Kulturmetropole zu etablieren.
Das Konzept, die Villa als interessante „Location“ am Osthang des Ilmparks in idyllischer und ruhiger Lage zu präsentieren, habe sich bewährt: Für jeden individuellen Anlaß, ob privat oder geschäftlich, biete das geschichtsträchtige Gebäude vis-à-vis dem Römischen Haus ein geeignetes Ambiente, schwärmt Torsten Montag: Schöne lichtdurchflutete Räume, ein Wintergarten, das einladende Foyer mit zwei Kaminen sowie zwei Balkone und vor allem der romantische Garten mit seiner malerischen Terrassenaussicht auf den Ilmpark tragen jedesmal ihren ganz speziellen Teil zu einem rauschenden Fest bei, empfiehlt der Villa-Haar-Geschäftsführer. Sein Tip: Vor allem bei Heiratswilligen und runden Geburtstagsjubilaren stehe die mediterrane Villen-Atmosphäre inzwischen hoch im Kurs.
Der Weimarer Rechtsanwalt Werner Voigt ließ das prächtige Gebäude, den Park mit der Freitreppe, den Wasserspielen, Stützmauern und Terrassen 1885 nach dem Vorbild der berühmten italienischen Villa d’Este in Tivoli, etwa 20 Kilometer von Rom entfernt, im Stil der Neorenaissance nach Entwürfen vom Weimarer Architekten Otto Münkert erbauen. Kommerzienrat Otto Haar, Textilkaufmann und Inhaber des einst renommierten Kaufhauses „Max Haar“ (heute „Thalia“-Buchhandlung) in der Schillerstraße, erwarb das repräsentative Haus im Jahre 1905. Er ließ einige Umbauten vornehmen und die Villa mit Motiven des Jugendstils überformen, was interessante künstlerische Akzente setzte. Sein Sohn Georg übernahm 1936 die väterlichen Geschäfte und führte sie mit seiner Frau Anna Karola Felicitas, geschiedene Huch, erfolgreich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fort. Den Repressalien der russischen Besatzungsmacht vermochte der umtriebige Rechtsanwalt, Kaufmann, Kunstsammler und Mäzen indes nicht standzuhalten: Von einem befreundeten Apotheker ließ er sich Gift aushändigen. Als Dr. Georg Haar und seine Frau am 22. Juli 1945 in den Freitod gingen, hätten sie wahrscheinlich nie daran gedacht, daß in der hübschen Villa am Dichterweg einmal Einwohner und Gäste ausgelassen die unterschiedlichsten Jubiläen feiern, beziehungsweise sich beispielsweise Manager zu Tagungen, Schulungen und Seminaren treffen würden.
In ihrem Testament setzte die Unternehmerfamilie die Stadt Weimar als alleinige Haupterbin ihres gesamten Vermögens ein und verfügte, daß in ihrem Wohnhaus im Grünen fortan Waisenkinder betreut werden. Schon im Oktober 1945 zogen erste Kriegswaisen in die einstige Residenz ein. Im Februar 1947 wurde die Stiftung „Dr. Georg Haar“ gegründet, die den letzten Willen umsetzte. Jedoch wurde bereits 1952 die Stiftung von den damaligen Behörden aufgelöst und das eingebrachte Vermögen verstaatlicht.
Das Kinderheim in der Villa, in der zeitweilig bis zu 50 Jungen und Mädchen untergebracht waren, erhielt den Namen „Rosa Thälmann“, den es bis 1990 führte. Die Stiftung geriet zu DDR-Zeiten in Vergessenheit. Erst nach der politischen Wende wurde das Vermächtnis der Familie Haar neu belebt: Der Weimarer Stadtrat beschloß am 13. März 1991 die Wiedererichtung der Institution. Als Träger der Kinderund Jugendhilfe steht sie heute ganz im Dienst benachteiligter junger Menschen und deren Familien. Im vergangenen Jahr feierte man das 15jährige Jubiläum der Neugründung, in diesem Jahr das 60jährige Bestehen.
Mit der Bewirtschaftung der alten Villa wagte die Stiftung den Spagat zwischen kommerzieller Nutzung und Stiftungswillen, erläutert Torsten Montag. Dem Vermächtnis der Familie Haar werde Rechnung getragen und die erwirtschafteten Gelder fließen mit in die Stiftung ein. Dadurch könne der „ideelle Wert“ der Villa erhalten werden und vor allem die Liegenschaft mit dem umgebenden großem Park „öffentlich“ bleiben. Neben dem stilvollen Ambiente, einem erstklassigen gastronomischen Service und einer exklusiven Küche, ausgerichtet von Montag-Catering, biete man hier im Herzen der Thüringer Kulturmetropole, zwischen Bienenmuseum und Goethes Gartenhaus, einen idealen kulturellen Rahmen, freut sich der Villa-Haar-Chef.
Dabei habe die Kultur in der Villa Haar eine gute Tradition: Schon zu Lebzeiten des einstigen Hausherren Dr. Georg Haar gab es hier wertvolle Kunstgegenstände, die der leidenschaftliche Sammler kenntnisreich erworben hatte. Der Weimarer Jurist und Kaufmann, der in seiner Jugendzeit selbst Gedichte schrieb und kunstwissenschaftliche Arbeiten veröffentlichte, besaß eine wertvolle Bibliothek bibliophiler Kostbarkeiten – eine mit etwa 1200 Werken einzigartige Sammlung von Buchkunst des frühen 20. Jahrhunderts. Ebenso wertvoll war seine etwa hundert Werke umfassende Sammlung russischer Ikonen, von denen einige Glanzstücke heute in einer Ausstellung im Schloßmuseum ausgestellt sind.
Kunst werde es in der geschichtsträchtigen Villa am Dichterweg, deren Gesamtnutzfläche 331 Quadratmeter – verteilt auf zwei Etagen – mißt, auch künftig geben: Unterstützt vom Freundeskreis der Stiftung knüpfte der Betreiber, der Gastronom Torsten Montag, der vielen als Chef vom „Alten Brauhaus“ in Bad Berka ein Begriff ist, an die alte Tradition an und öffnete das gastliche Weimarer Haus für wechselnde Ausstellungen, die für Künstler, Kunstliebhaber und Gäste einen ganz besonderen Erlebnisraum schaffen.
Das Café „d’Este“ bietet zum hochkarätigen Kunstgenuß mit frischgebackenem Kuchen sowie kleinen Köstlichkeiten die passende kulinarische Ergänzung und vermittelt so in der ehemaligen Familienresidenz ein ganz spezielles Flair. Das Café ist jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet und während dieser Zeit können die Ausstellungen besichtigt werden. Unter dem Motto „Kunst in der Villa Haar“ finden hier im Grünen zudem regelmäßig interessante musikalische und literarische Veranstaltungen statt.
ANDREAS KÜHN
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